War es doch Elisabeth G.?

Elisabeth Gehrer war vor "meiner" Bundespartei-Zeit aktive Politikerin. Ich hab sie als sehr mitmenschliche Frau (allein was sie alles in Albanien getan hat. Oder wie sie sich um ihre Mitarbeiter/innen gekümmert hat!)  und sehr konsequente Politikerin erlebt. Sie ist für mich jemand, die auch "am Platz geht, wenns regnet".

 Und ich habe erlebt, wie tief die Ablehnung, ja der Hass gegen sie war. Meiner Meinung nach systematisch geschürrt. Ein Mensch ist in seiner Person zu tiefst niedergemacht worden - und das hat nichts mit Sachpolitik zu tun, sondern mit Menschenverachtung.

Jetzt blitzen die ersten Pisa-Zahlen auf. Und man staunt: wir werden besser!!! Nur zum Vergleich: die Ausgangsmessung (da wo wir angeblich so schlecht waren) ist aus dem Test 2000. Die jetzige Messung ist aus 2006 (!!!). D.h.: wer hat die Verbesserung geschafft?! Doch nicht vielleicht diese von den Linken so beschimpfte Frau? Was nicht sein darf, kann nicht sein. Na ja, wahrscheinlich hat Claudia Schmieds Spirit  vorausgewirkt - vielleicht kriegen wir das bald in Inseraten zu lesen.

Politik ist wirklich ein undankbares Geschäft, denke ich mir manchmal. Tut mir echt leid, Liesl, dass ich nichts gegen diese Strategie betreffend Deiner Person getan habe. Und allen anderen verspreche ich: ich bin für Euch da und lass nicht zu, dass jemals wieder jemand so persönlich niedergemacht wird. Kritik in der Sache - selbstverständlich. Auch heftig und meinetwegen auch "tief". Aber einen Menschen als Mensch in den Dreck ziehen, sicher nicht mit mir. Hoffentlich sehe ich es diesmal rechtzeitig.
 

Posted: Donnerstag, 29. November 2007 18:47 von Michi Mojzis
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Kommentare

weltbeobachterin sagte:

Ja, es gab sicher ungerechte und ins persönlichgehende Beleidigungen.

DOch ich denke, da die Naturwissenschaftsleistungen 2000 und 2003 nicht Hauptprüfgebiet waren, sollte man dennoch die Ergebnisse von 2006 abwarten.

# November 29, 2007 20:29

taciturus sagte:

Dem Beitrag kann ich nur zustimmen. Elisabeth Gehrer wurde von der Opposition sehr systematisch angeschüttet und diese Taktik ist leider aufgegangen. Gerade schade fand ich vor allem, dass ich am Ende den Eindruck hatte, dass in der Medienöffentlichkeit lediglich die Parteispitze um Schüssel hinter Elisabeth Gehrer gestanden war und viele ÖVPler darunter sich zu profilieren wollten, indem sie in die Kritik an Gehrer eingestimmt hatten.

Für mich vor allem ein interessantes Phänomen, da ich mit vielen Leuten gesprochen habe, die diese negative Meinung über Elisabeth Gehrer quasi ungeschaut übernommen haben und kaum tatsächliche Kritikpunkte außer Schlagworten benennen konnten.

Besonders eigenartig finde ich den Wandel der PISA Berichterstattung des ORF. Früher war der PISA Test das Maß aller Dinge in der Bildungspolitik. Jetzt wo es Meldungen von einer angeblichen Besserung der Ergebnisse für Österreich durchsickern werden im ORF vermehrt Stimmen gesendet, die die Aussagekraft des Tests in Frage stellen (meiner Meinung nach auch völlig zu Recht). Aber ein eigenartiger Nachgeschmack über die Objektivität der ORF Berichterstattung bleibt. Gerade im Bereich Bildung und Fremdenrecht erscheint mit der ORF massive Kampagnen zu führen.

# November 29, 2007 22:19

irene wernicke sagte:

Ich kann das Wort "Pisa" schon nicht mehr hören - wie kommt eigentlich diese wunderschöne Stadt dazu ?????-

und weigere mich sie anzuerkennen solange dort immer wieder Äpfel mit Birnen verglichen werden.

Wer hat die meisten ausländischen Kinder in den Klassen sitzen und das aus allen Bevölkerungsschichten und nicht nur wie in Kanada, wo ich mir die besten Immigranten aussuchen kann????

Beim Lesevergleich:  wie viele Ausländerinnen und Ausländer hat Russland in den Klassen sitzen????

Zur Liesl Gehrer kann ich nur sagen:  Ich habe immer gesagt, dass es eine Sauerei war, wie man mit dieser Frau umgegangen ist.  Und ich meine, dass Andrea Kdolsky die Nächste auf der Abschussliste ist.  Da gibt es jeden Tag Kommentare unter der Gürtellinie in einigen Medien, die sind nicht von schlechten Eltern (es lebe die Frauensolidarität!!).  Herr Buchinger darf sich 2 Frauen halten (Ehefrau und Freundin) und da findet niemand etwas dabei (ganz abgesehen davon, dass er im Job überhaupt nichts leistet).  Ich habe immer geglaubt, dass in Österreich Vielweiberei verboten ist!!

# November 29, 2007 22:44

Georg sagte:

wenn ich das der ZiB2 richtig entnommen habe, dann war die Schwerpunktsetzung bei den Tests, deren Ergebnisse bisher bekannt geworden sind, also hauptsächlich Naturwissenschaften, eine neue - und die Ergebnisse mit denen der Vorjahre ergo nicht vergleichbar. Und wo kein Vergleich, da auch - so sehr ich mir Fortschritte wünschen würde - kein "besser" oder "schlechter".

Das Problem an unserem Schulsystem ist einerseits die Struktur. Damit meine ich nicht zwingend Gesamt- oder Nicht-Gesamtschule, sondern eher die Starrheit und Überfülltheit des Lehrplans an manchen Schulen, ein Wirrwarr an unverbindlichen Unterrichtsprinzipien und nicht zuletzt die mangelnde Flexibilität. Der Anteil dessen, was sich der Schüler selbst als Schwerpunkt setzen kann ist im Vergleich zum Pflichtteil (der für viele ab einer gewissen Stufe keinen Sinn macht, weil sie sich völlig anders entwickeln) viel zu klein.

Das andere, auch nicht unwesentliche Problem mMn ist die Fokussierung unseres Schulsystems auf autoritätsbasiertes Lernen, nicht auf inhaltsbasiertes Lernen. Die Lehrkraft sollte im Grunde ein "Mittel zum Zweck", ein Helfer sein. In Wahrheit ist die Qualität des übermittelten Inhalts, die Selbständigkeit der Schüler und oft auch die Schwerpunktsetzung in hohem Maße vom Lehrer abhängig. Das führt bei mittelmäßigen bis schlechten Pädagogen zu Feindbildern und dem oft bekannten Gefühl, die Pflichtbildung wäre sinnloser Zwang. Wären die Lehrkräfte jetzt pädagogisch besser geschult (was bei den jüngeren glücklicherweise öfters der Fall ist) und in einer Rolle als "anleitender Kollege", der anregt sich ernsthaft mit dem Inhalt auseinanderzusetzen, anstatt den eigenen Zwang, eine gewisse "Portion" Wissen vermitteln zu müssen, an seine Schüler weiterzugeben (wiederum bedingt durch verstopfte Lehrpläne, denen oft etwas hinzugefügt, aber möglicherweise weitgehend Obsoletes nicht entfernt wurde), wäre die Arbeit generell viel fruchtbarer.

Derzeit entsteht nur Interesse, wenn der unterrichtsleitende Pädagoge ein Ausnahmetalent ist, und es schafft den systembedingten Autoritätsaspekt weitestgehend zu kaschieren - denn Autorität durch Kompetenz und die Fähigkeit sich als gleichwertiges Individuum zu präsentieren zählt viel mehr als das krampfhafte Anklammern an die formelle Machtposition, wenn man sonst nicht viel zu bieten hat.

# November 29, 2007 23:31

hc voigt sagte:

"Der Mensch" war Politikerin. Hat als Politikerin Entscheidungen getroffen, die weitreichende Auswirkungen für unzählige andere "Menschen" hatten und haben. Diese anderen "Menschen" sind genauso "Mensch", auch wenn sie, Frau Mojzis, diese anderen nicht so "mitmenschlich" erlebt haben.

Als Sachpolitikerin war Frau Gehrer eine Katastrophe. Dafür hat sie keinen Hass verdient sondern Kritik.

Als Politikerin im Tagesgeschäft Politbühne war sie eine ausgesucht skrupelose Machtpolitikerin, die ihre politischen WiderstreiterInnen nicht als politische WiderstreiterInnen und Menschen behandelt hat sondern ihre Machtposition nutzend abgewertet hat.

Prof. Grünewald hat im Nationalrat einmal den Begriff "denunzieren"  auf das angewendet, was Frau Gehrer mit ihren KritikerInnen laufend gemacht hat (von SchülerInnen über StudentInnen zu WissenschaftlerInnen und BeamtInnen).

Er hat - natürlich - einen Ordnungsruf bekommen und sich entschuldigt.

Nichts desto trotz,

1. wer im politischen Rampenlicht steht, muss wohl Kritik einstecken; und

2. gerade Frau Gehrer ist mit ihren politischen GegnerInnen in einer Art und Weise umgegangen, dass von "Menschlichkeit" wahrlich keine Rede sein kann.

# November 30, 2007 03:40

Tom Schaffer sagte:

ein paar schwere denkfehler:

a. wir hatten vor 15 jahren keinen pisa test - das wäre der zeitraum an dem elisabeth gehrers politik zu messen wäre.

b. laut pisa-koordinatoren sind die tests nicht miteinander vergleichbar, weil sie sich verändert haben. das "wir werden besser" entbehrt also soweit ich weiß jeder grundlage.

c. österreich ist also das viertreichste land der eu und liegt trotzdem nur auf platz 18 in den naturwissenschaften - was übrigens lediglich 3 punkte vor dem zuletzt erreichten 20. platz ist. ich sehe da keinen grund zur freude und auch bei freundlicher betrachtung keinen echten trend zur verbesserung.

d. ich habe elisabeth gehrers bildungspolitik als schüler am eigenen leib zu spüren bekommen, ich hab sie als lehrersohn miterlebt, und ich leide als student heute noch darunter. mir ist die frau als person völlig egal, aber als politikerin war sie mindestens 10 jahre zu lange im bildungsministerium. jede zeile der kritik war voll gerechtfertigt.

dass politik (wie eh auch der alltag) auf feldzüge gegen personen verzichten sollte, da stimme ich prinzipiell vollkommen zu.

# November 30, 2007 16:21

Wolfgang Kirchleitner sagte:

Die Person Frau Gehrer hat sehr wohl gewußt was geschieht wenn sie Unterrichtsministerin wird.

Mit den ganz Rechten und Leuten wie Haider usw. gut zu sein - das bringt die Menschlichkeit zu Fall.

Immerhin ist sie jetzt hoffentlich ;)) kein Sozialfall und wird Beleidigungen sicher leichter vergessen als Leute die

ihre Ideen umsetzen mußten.

# Dezember 3, 2007 11:35

Michi Mojzis sagte:

Taciturus, du sprichst mir aus der Seele. Jetzt lesen und hören wir seit 2 Tagen ständig Pisa in den Medien. Und irgendwie scheint jeder einen anderen Grund zu haben, nicht sagen zu müssen, dass wir besser sind. Schwankungsbreite, nicht vergleichbar, doch eigentlich nicht vorgerückt, die Schüler haben es nicht ernst genommen ....

Gehrers Pisa war das Mass aller Dinge. Und was ist jetzt damit?? Eine seltsame Welt. Tom, was hat Elisabeth Gehrer Dir persönlich angetan unter dem Du leidest? Ich hab das Gefühl, dass du ein gscheiter, kritischer und erfolgreicher Mensch bist, wenn ich Deine Blog lese.

# Dezember 4, 2007 07:03

Dreamer sagte:

Wer Gehrer jetzt im Nachhinein - völlig losgelöst von all dem, das sie viele Jahre lang faktisch angerichtet hat - ex post rehabilitieren will, hat nicht die geringste Ahnung von der Schul-Realität, die nach Gehrer heute stattfindet.

Das Ergebnis der Pisa-Studie - arm genug - ist ein nicht verdientes Geschenk.

# Dezember 14, 2007 00:13

Georg sagte:

- Lustige Stundenkürzungen (in meinem Fall zB. weniger Geschichte), Kürzung von Turnstunden (gesundheitspolitisch genialer Schachzug...)

- Gehrer hat die Studiengebühren bestritten, wenige Monate bevor sie eingeführt wurden.

- "Studenten sollen weniger Party machen." (wohlwissend, dass genug von ihnen nebenher arbeiten und sich auch einmal Auszeiten verdient haben)

- Auch wenn ich und genug andere die Gebühren zurückbekommen (wobei sich mir der Sinn von Überweisen und Rücküberweisen komplett entzieht), frage ich mich trotzdem: Wohin geht das Geld? Was ist besser geworden? Ich merke nix. Eher veraltet die Einrichtung und die Bürozeiten der diversen Sekretariate so wie der Stip-Stelle sind schlicht indiskutabel.

- UOG Reform '02. Man mag vielleicht sagen, dass angesichts der niedrigen Wahlbeteiligung bei ÖH Wahlen meinen, dass diese Entdemokratisierung der Unis berechtigt wäre, aber wenn man an Partizipation schon Interesse bekundet (oder zumindest heuchelt) und das Wahlalter auf 16 senkt, wären doch Schritte für MEHR Wahlbeteiligung bei Uniwahlen eine bessere Idee gewesen als Mitspracherechte zu dezimieren. Den Wahlslogan der AG ("Assistieren statt kritisieren") fand ich übrigens sehr zynisch.

Den Rest hat hc voigt schon treffend rübergebracht. Gehrer war, selbst wenn man auf Biegen und Brechen marginale Verbesserungen aus dem letzten PISA-Test lesen mag, keine gute Unterrichtsministerin. Sachlich gesehen. Als Privatperson ist sie mir komplett egal, ich kenne sie ja nicht näher, und will daher auch nicht bestreiten dass sie da möglicherweise ein sehr zugänglicher Mensch ist. Aber ich kenne bzw. kannte ihre Bildungspolitik. Die war, beim besten Willen, viel, aber ganz sicher nicht menschlich.

# Dezember 14, 2007 03:17

Mii sagte:

ich habe Elisabeth Gehrer bei der Verleihung des Österreichisches Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst im Jahre schlafend (!!) erlebt. Vor allem während des höchst interessante Vortrag eines Nobelpreisträgers hat die damalige Ministerin vorzüglich gepennt! Englisch ist halt schwer zu verstehen und für Wissenschaft braucht man sich als Bildungsministerin ja auch nicht sonderlich zu interessieren. Wirklich eine gelungene Feier!

Dementsprechend positiv ist meine Meinung zu dieser Frau.

# Januar 15, 2008 15:17

Andreas sagte:

So sehr ich sonst pro ÖVP bin, gebe ich Dreamer vollkomen recht.

# Juli 11, 2008 17:09
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